Schmerz als Krankheit

  • Schmerz als Krankheit klingt im ersten Moment befremdlich, kennt man doch Schmerz nur im Zusammenhang mit einer konkreten Erkrankung oder Verletzung. Akute Schmerzen stellen ein Warnsignal des Körpers dar. Ist die Ursache erkannt und behandelt, verschwindet der Schmerz – er hat seine Aufgabe, auf eine Gefahr hinzuweisen, erfüllt.
  • Bei der Entstehung chronischer Schmerzen wird der Schmerz zum eigenständigen Krankheitsbild, bei dem neben körperlichen Störungen auch Veränderungen im psychosozialen Bereich eine große Rolle spielen.

Wie entstehen chronische Schmerzen?

  • Im Zentrum der Chronifizierung steht das Schmerzgedächtnis. Die sensiblen Nervenzellen sind genauso lernfähig wie das Großhirn. Wenn sie immer wieder Schmerzimpulsen ausgesetzt sind, verändern sie ihre Aktivität. Schon ein leichter, sensibler Reiz wie eine Berührung, Wärme oder eine Dehnung reicht aus, um als Schmerzimpuls registriert und als unangenehm empfunden zu werden. Aus dem akuten Schmerz ist ein chronischer Schmerz geworden. Das bedeutet: Der eigentliche Auslöser fehlt und es bleibt der Schmerz.

Psychosoziale Auswirkungen chronischer Schmerzen

  • Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum auf den Menschen einwirken, hinterlassen Spuren: Betroffene haben vermehrt das Bedürfnis nach Rückzug und Passivität, was oft zu Isolation und Konflikten im Beruf und im familiären Umfeld führen kann. Nicht selten leiden chronische Schmerzpatienten auch an Schlafstörungen und Depressionen und umgekehrt depressive Menschen an Schmerzen. Ein professionelles Schmerzmanagement muss daher immer körperliche, seelische und soziale Ebenen berücksichtigen und körperliche, gedankliche und verhaltensbezogene Maßnahmen kombinieren.

Was tun, damit der Schmerz nicht chronisch wird?

Von zentraler Bedeutung ist die präventive Schmerzbetäubung, die so genannte Analgesie. Ein Schmerzgedächtnis darf erst gar nicht entstehen. Eine vorausschauende Schmerztherapie kann die Entstehung eines Schmerzgedächtnisses verhindern. Die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Behandlung des chronischen Schmerzes sinkt mit der Dauer der Schmerzerkrankung. Je früher der Schmerzzyklus durchbrochen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaft guten Schmerzeinstellung.